Geht es dir heute etwas besser?
Ganz ehrlich, ich kann diese saudumme Frage nicht mehr ertragen. Gut, von Menschen die mich kaum oder erst kurz kennen geht das in Ordnung, es ist vermutlich gut gemeint oder wirkt zumindest so.
Aber Menschen die mich schon viele Jahre kennen, z.B. bucklige Verwandte oder sog. Freunde, und eigentlich mitbekommen haben sollten dass es mir über die Jahre immer schlechter geht, die gehen mir mit dieser blöden Frage echt auf die Nerven und verhindern dass ich sie noch weiter ernst nehmen kann.
Ich merke immer wieder wie ich so nach und nach die eine oder andere Fähigkeit verliere und mein Tag immer beschwerlicher und kürzer wird. Das geht so weit dass ich mir schon gelegentlich Gedanken über sozialverträgliches Frühableben gemacht habe und ein vorzeitiges Ende meine Existenz erwog (das ist aber aktuell keine Option, dazu später mehr).
Trotzdem ist es gerade in solchen Zeiten geradezu grotesk diese Frage zu vernehmen, ich frag mich dann immer was an “unheilbar” usw. haben diese Leute nicht verstanden. Meinen die ich würde bald wieder rumhüpfen, auf Bäume klettern und Rollstuhl, Patientenlifter usw. bei Ebay verticken.
Ist es so schwer auf seine Wortwahl zu achten und z.B. zu fragen “Wie geht es dir heute?” um sich nicht ständig selber lächerlich zu machen und als Troll zu präsentieren? Oder sind Leute die diese dummen Fragen stellen einfach nicht in der Lage zu verstehen oder zu akzeptieren dass da nichts mehr besser wird?
Ich glaube dass diese Leute viel verdrängen und nicht in der Lage sind die Realität zu akzeptieren oder strohdumm sind wenn sie nach Jahren und Jahrzehnten solchen Mist absondern.
Nun aber kurz zum sozialverträglichen Frühableben. Sterbehilfe zu bekommen wäre grundsätzlich möglich, nur nicht in good old Germany. Aber z.B. in der Schweiz kann man schön am See sitzend seinen Giftcocktail schlucken und im Kreise seiner Lieben friedlich für immer einschlafen. Gut zu wissen aber bei mir sprechen viele Gründe gegen diese Option:
- Ich liebe meine Ehefrau und will mit ihr zusammen möglichst alt werden.
- Ich bin wohl zu feige, das würde ich bisher nicht bringen.
- Ich bin überzeugt davon immer noch gebraucht zu werden.
- Ich bin überzeugt davon immer noch nützlich zu sein.
- Ich habe immer noch Spaß an vielen Dingen, auch wenn es mir mies geht.
Und noch mal ganz ehrlich: Nun werde ich schon einige Jahre von meiner Ehefrau gepflegt, sie leistet dafür so Einiges. Sich dann verdrücken und feige aus dem Staub machen wegen stetig mehr werdender Schmerzen, Hilfsbedürftigkeit und immer weniger werdender Alltagskompetenz wäre ja wohl undankbar und unter aller Sau und passt bestimmt nicht zu mir.
Aber bitte lieber Leser, verschont mich mit blöden Fragen ob es mir wieder besser ginge!