An einem einsamen Schreibtisch Zahnbruch erlitten

Sonntag, November 27, 2016

Schon vor einiger Zeit teilte mir meine von mir über Alles geliebte Ehefrau mit, mein Atem erwecke den Eindruck einer Zahnerkrankung. Das letzte mal Zahnweh lag schon lange zurück, Weihnachten 2015 zwackte es rechts oben, ein Sprühstoß Sativex genau dahin hat das allerdings schnell beendet. Kürzlich aber merkte ich am letzten Backenzahn oben rechts eine recht unpraktische und nicht vorgesehene seitliche Öffnung in der sich Speisereste verstecken wollten.

Ich fing also schon vor einiger Zeit an mich mit dem Gedanken an den baldigen direkten Kontakt mit einem Zahnarzt abzufinden, eine Aktion die mir sehr aufwendig und wenig attraktiv erschien. Mir war aus der Vorgeschichte des Backenzahns allerdings klar, das sollte man nicht ewig aufschieben. Der hinterste Zahn hing da ziemlich einsam rum, der Zahn davor wurde ja schon vor Jahrzehnten gezogen. Vor wenigen Jahren wurde noch ein unter ihm liegender Weißheitszahn ausgegraben wobei er schon als Hebel missbraucht, beschädigt und verfüllt wurde.

Anfang November kam es wie es kommen musste. Ich war allein zuhause und beschloss gegen 22:00 Uhr einen Schokoriegel zu verzehren. Ich biss herzhaft zu, es knackte fürchterlich, der Zahn wackelte und klapperte laut und der Schreck saß tief. Was nun, wenn der Zahn nachts ganz abbrechen würde könnte er verschluckt werden oder ich ersticken. Panik wäre zuviel gesagt aber ich war besorgt und beschloss Rat zu suchen. Notdienst, Krankenhaus oder Wasserpumpenzange gingen mir in Gedanken durch den Kopf, daher rief ich meine Mutter an und schilderte mein Problem.

Kurze Zeit später wunderte ich mich über das am Boden liegende Telefon und meine gerade eintretende Mutter. Voller Filmriss, mindestens 10 Minuten ohnmächtig, etwas verdattert und immer noch mit dem selben Zahnproblem kam ich langsam wieder zu klaren Gedanken. Also diskutierten wir über Zähne, Notdienste und verschluckte Dinge bis ich meinen Mut fand und mit der Zunge den Rest abbrechen konnte.

Nun war der Zahn raus und ich erleichtert und die Nachtruhe konnte kommen. Schmerzen gab es noch nicht, nur der Stummel hatte scharfe Kanten die teilweise aus dem Zahnfleisch ragten.

Nach zwei Tagen suchte ich nach einem Zahnarzt der sich den Spaß erst mal angucken würde, eine Woche später erfolgte dann der Hausbesuch. Er sagte der Rest würde gut raus gehen, er hatte alte Röntgenbilder von mir dabei. Aber wegen der langen Wurzeln könnte es Probleme geben mit der Nebenhöhle, Blut, usw. und er würde das lieber in der Praxis machen wollen und ich dachte nur: “Was denn nun, gut raus oder nicht?”

Am Folgetag rief die Praxis schon an wegen Terminabsprache, Krankentransport usw und es konnte bald los gehen. Nach der Aktion tat es erst mal richtig weh, aber nur einige Tage und nun kaue ich dahinten auf der Felge, benutze aber mit Freuden wieder alle Geschmacksnerven. Ich frage mich allerdings schon warum mir so etwas immer dann passiert wenn meine von mir über Alles geliebte Ehefrau nicht anwesend ist.