Wer hätte das je von mir gedacht
Manchmal wundere ich mich über mich selbst, dann auch wieder nicht. Oder doch, aber aus anderen Gründen. Obwohl dann eigentlich auch nicht, weil die Gründe zusammenhängen und auch keine Rolle spielen.
Aller klar oder doch nicht so ganz?
Also mal der Reihe nach. Es ist unschwer zu verstehen, dass man mit zunehmender Behinderung und zunehmendem Alter doch öfter auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen ist. Nun war ich in meinen ersten Jahrzehnten auf dieser Welt eigentlich eher ein Einzelgänger und überzeugter Single. Nach den Devisen: 1. Feste Beziehungen, kann man mal machen, muss man aber nicht. 2. Eigene Familie, als ob mir das je erstrebenswert erscheinen könnte. 3. Kinder, Grundgütiger. Wichtiger war mir, den schnellsten Wagen in der Gegend zu fahren oder den leistungsfähigsten PC in meinem Umfeld zu besitzen.
Aber es kam dann ja völlig anders. Die richtige Frau trat in mein Leben und was interessieren mich dann noch irgendwelche Vorstellungen und Überzeugungen von früher. Die erste Devise war schnell abgehakt, offiziell und standesamtlich nach wenigen Monaten. Damit war die zweite Devise auch vom Tisch denn ich bin seit dem auch Stiefvater zweier sehr netter junger Menschen und habe Haustiere. Die dritte Devise war also auch schnell vergessen.
Das hätte ich früher nie gedacht!
Aber es kommt noch besser. Meine über alles geliebte Ehefrau konnte diesen Sommer mal einige Zeit nicht alles, was in unserem Haushalt und zu meiner Unterstützung nötig ist, erledigen. Da sprangen unsere Kinder/Stiefkinder sofort selbstlos ein. Sie verbrachten abwechselnd einige Wochen und einen Teil ihres Urlaubs bei uns und machten sich sehr nützlich.
Ich hatte ja nun inzwischen 10 Jahre Zeit die beiden kennen zu lernen. Ich bin damals ganz neutral und ohne Vorstellungen da ran gegangen, plötzlich die dritte Devise zu verwerfen. Es war mir aber seit dem immer ein Vergnügen, wenn ich einen der beiden oder beide mal um mich hatte. Ich glaube wir verstehen uns alle recht gut und bin überzeugt davon, dass die beiden ihren Weg weiter gehen und dabei so ziemlich alles richtig machen werden.
Daher waren es zwar eine sehr große Freude und Überraschung, in anstrengenden Zeiten nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Aber es war irgendwie auch logisch, so wie ich die zwei bisher erleben durfte, dass die beiden genau so handelten und hier aushalfen. Das haben sie übrigens vorzüglich getan, es fehlte uns an nichts in dieser Zeit und wir hatten eine gute Zeit.
Das Kinder so nützlich sind hätte ich früher ganz bestimmt nie gedacht.
Über diese Tatsache könnte ich mich eben wundern. Aber es ist eben auch alles ganz normal. Liebe und Glück verändern einfach die Sicht auf viele Dinge, da gibt es keinen Grund sich zu wundern.
P.S. Ich habe diesen Text übrigens nur geschrieben, weil es mir ein Bedürfnis und eine Freude waren, diese Ereignisse fest zu halten. Ich möchte damit auf keinem Fall irgendein Mitglied meiner Familie unter Druck setzen, wieder so selbstlos zu handeln, wenn hier mal wieder in ferner Zukunft Bedarf an Unterstützung entstehen sollte.