Das hat mir damals keiner gesagt
Es war deshalb schon länger mein Bestreben auch in der Krankenversicherung die besten Leistungen zu den günstigsten Konditionen zu erhalten. Unter diesen Umständen erschien mir der Wechsel in eine private Versicherung nur logisch und erstrebenswert.
Nachdem ich diesen Schritt vollzogen hatte war ich nach einigen Arztbesuchen in den nächsten Jahren auch sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Praxisgebühren hab ich nie gezahlt und Wartezeiten waren für mich Vergangenheit. Behandlungen waren effektiv und ich sparte etwas Geld bei den Beiträgen. Beitragserhöhungen waren lächerlich, teilweise einstellig, also alles prima.
Aber irgendwann drehte sich die Lage, die jährlichen Erhöhungen der PKV-Beiträge wurden deutlicher, einmal sogar dreistellig. Sie näherten sich dabei zügig der Beitragsbemessungsgrenze und die monatliche Ersparnis war nicht mehr gegeben.
Im Gegenteil, ich zahlte inzwischen mehr als ich in der gesetzlichen Versicherung hätte zahlen müssen. Aber dass bessere Leistungen einen höheren Preis haben konnte ich irgendwie akzeptieren.
Als ich damals in die PKV wechselte und den Vertrag abschloss war ich allerdings ziemlich weltfremd. Bei den Hilfsmitteln wurden z.B. max 1300,- € für einen Rollstuhl zugezahlt, ich dachte prima, da kriegt man ja drei Stück für.
Inzwischen bin ich selber schwer erkrankt und kann aus Erfahrung berichten: Das reicht für zwei Räder oder drei Sitzkissen wenn der Rollstuhl funktionieren und passen soll. Oder für ein Modell vom Discounter, völlig unbrauchbar, zu schwer und ständig defekt.
Viele Hilfsmittel wurden weder erstattet noch bezuschusst. Gerade neuere Dinge standen eben nicht im “geschlossenen” Hilfsmittelkatalog der meinem Vertrag beilag. Also war ich zwar gern gesehener Selbstzahler, konnte aber viele Rechnungen nicht einreichen und bekam dann auch nichts erstattet.
Irgendwann merkte auch ich, das ruiniert mich im Alter. Da musst du etwas unternehmen. Wie kommst du in die GKV zurück überlegte ich mir. Da ich schon länger meine Diagnose einer unheilbaren und ständig fortschreitender Erkrankung hatte musste ich auch davon ausgehen, meine berufliche Laufbahn vorzeitig beenden zu müssen um die Erwerbsminderungs-Rente anzutreten.
Also hab ich den Entschluss dazu gefasst und das Vorhaben umgesetzt. Ich war noch keine 55 Jahre alt, die Pflichtversicherungsgrenze stieg immer weiter und ich verzichtete auf Gehaltserhöhungen. Schon war ich bald automatisch versicherungspflichtig und die von mir gewählte GKV begrüsste mich erfreut als neues Mitglied.
Bis dahin war alles gut, dann kam jedoch der Zeitpunkt wo ich aus gesundheitlichen Gründen meine Beruf aufgeben musste und einen Rentenantrag stellen musste. Das ging auch alles recht schnell und reibungslos, etwa zwei Monate später kam ein Bescheid und ich war rückwirkend Rentner seit dem Beginn meiner letzten Krankschreibung.
Aber die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner lehnte mich ab, ich würde nicht alle Bedingungen erfüllen. Es scheiterte an dieser mir früher nicht bekannte Regel:
Wer länger als 10% der zweiten Hälfte seines Erwerbsleben privat versichert war, der wird nicht aufgenommen!
Da blieb mir faktisch nur noch die freiwillige Versicherung in der GKV, damit zahlt man allerdings Beiträge auf jegliche Einkommen. Egal ob z.B. Leistungen aus einer Berufsunfähigkeits-Versicherung, einer Betriebsrente, Mieteinnahmen oder Zinsen und Gewinne aus Aktien bzw. Erspartem. Alles zählt mit und es gibt keinen Zuschuss von einem Arbeitgeber, also zahlt man den vollen Beitrag bis zur Bemessungsgrenze. Nur für den Teil der staatlichen EU-Rente gibt es einen Zuschuss in Höhe des halben Betrags.
Und genau das hat mir damals bei Abschuss der privaten Krankenversicherung niemand gesagt. Obwohl ich zugeben muss, ich hätte es vermutlich ignoriert und trotzdem so gehandelt wie ich es tat. Die blöde Regel mit 10% der zweiten Hälfte des Erwerbsleben ist natürlich eine Katastrophe für fast jeden privat versicherten unfreiwilligen Frührentner. Wer krank ist kann nicht immer noch mal so lange arbeiten wie vorher um das abzufangen. Auch die drei Bonusjahre pro Kind ändern das nur selten.
Lustigerweise hatte ich dem gesetzlichen Sozialsystem mit der PKV über die Jahre sechsstellige Therapiekosten erspart. Dafür kriegte ich nach meine Rückkehr in die GKV den großen Arschtritt mit der Begründung, ich hätte mich damals ja dem Sozialsystem entzogen und nicht genug eingezahlt.
Hätte ich nie in die PKV gewechselt wäre es viel teurer für unser gesetzliches Sozialsystem geworden, aber dafür zahle ich nun als Frührentner viel höhere Beiträge wie früher als Angestellter.
Das Absurde daran, fast jede Art der Altersfürsorge wird letztendlich um den vollen Beitragssatz und den Zusatzbeitrag der GKV gemindert. Das sollte man immer mit in seine Überlegungen einbeziehen, und zwar nicht erst wenn es, wie bei mir jetzt, zu spät ist.